Erbschaftssteuer Lexikon
Erbschaftsteuerlexikon
Vorerbe

Der Erblasser kann einen Erben in der Weise einsetzten, dass dieser erst Erbe wird, nachdem zunächst ein anderer Erbe geworden ist (§ 2100 BGB). Derjenige, der zuerst Erbe wird, ist der Vorerbe. Er hat sich jedoch aller Verfügungen zu enthalten, die das Recht des Nacherben in irgendeiner Weise beeinträchtigen. Die Beschränkungen des Vorerben sind unterschiedlich, je nachdem, ob es sich um einen befreiten oder nicht befreiten Vorerben handelt. In beiden Fällen darf er im wesentlichem die Substanz des Nachlasses nicht angreifen. Dem nicht befreiten Vorerben stehen lediglich die Nutzungen des Nachlassvermögens zu, obwohl er auch Gesamtrechtsnachfolger des Erblassers ist. Erbschaftsteuerlich gilt der Vorerbe als Erbe (§ 6 Abs. 1 ErbStG). Gibt der Vorerbe die Vorerbschaft vorzeitig heraus, gilt dies gemäß § 7 Abs. 1 Nr. 7 ErbStG als Schenkung unter Lebenden des Vorerben an dem Nacherben. Gemäß § 7 Abs. 2 ErbStG kann der Nacherbe die Besteuerung nach seinem Verhältnis zum Erblasser wählen. In diesem Fall sind § 6 Abs. 2 S. 3-5 ErbStG entsprechend anzuwenden.
Erlangt der Vorerbe zivilrechtlich die Stellung des Vollerben, z.B. durch Übertragung des Anwartschaftsrechts seitens des Nacherbens, stellt dies keinen weiteren steuerpflichtigen Erwerb dar. Seine Kosten für die Erlangung des Vollrechts kann der Vorerbe in Abzug bringen. Erhält der Nacherbe ein Entgelt für die Aufgabe seiner Anwartschaft, unterliegt es gemäß § 3 Abs. 2 Nr. 4 und Nr. 6 ErbStG der Erbschaftsteuer.



Vor- und Nacherbschaft

Die Vor- und Nacherbschaft hat zwei Aufgaben: Sie soll dem Vorerben zwar die Erbenstellung, aber dem Nacherben beim Nacherbfall die gleichen Rechte am ungeschmälerten Bestand des Nachlasses sichern. § 6 ErbStG regelt die erbschaftsteuerliche Behandlung der Vor- und Nacherbschaft (zu den zivilrechtlichen Grundlagen: siehe Nacherbe). Nach § 6 Abs. 1 ErbStG gilt der Vorerbe als Erbe. Die erbschaftsteuerlichen Folgen des mit dem Tode des Vorerben eintretenden Nacherbfalls regelt § 6 Abs. 2 ErbStG. Tritt der Nacherbfall schon vor dem Tode des Vorerbens ein, dann ergeben sich die erbschaftsteuerlichen Folgen aus § 6 Abs. 3 ErbStG. Durch § 6 Abs. 4 ErbStG werden Nachvermächtnisse und beim Tode des Beschwerten fällige Vermächtnisse den Nacherbschaften gleichgestellt. Die Vor- und Nacherbschaft ist von der Ersatzerbschaft (siehe Ersatzerbe) zu unterscheiden.



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